Wenn Inklusion gehörig schief geht
Gestern sind wir auf dem Weg zu unserem Tagesausflugsziel am
Frankfurter Flughafen vorbeigefahren. Und da fiel uns mal wieder eine Episode
ein, die wir vor 26 Jahren dort erlebten.
Meine Freundin, mit der ich damals erst kurz zusammen war, war mit anderen
Leuten in den Urlaub geflogen, da sie den schon vor unserem Kennenlernen gebucht
hatte.
Ihr Heimflug führte nach Frankfurt, und da ich in relativer Nähe wohnte, habe
ich sie dort abgeholt, um anschließend mit ihr noch ein paar Tage bei mir zu Hause
zu verbringen.
Da wir – wie gesagt – noch nicht lang zusammen waren, freute ich mich natürlich
auf diese Tage und habe sie, bewaffnet mit einer Sektflasche und Sektgläsern im
Rucksack, am Flughafen erwartet.
Wir suchten uns einen Sitzplatz in einer der vielen Sitzecken, die damals (und
wahrscheinlich stehen die auch heute noch) sich aus mehreren festverbundenen Stühlen
aus Metall zusammensetzten. Die Sitze waren in U-Form angebracht, so dass ca.
15 Leute da gemeinsam sitzen konnten. Da aber in dem Moment dort gar keiner
saß, hatten wir den ganzen Bereich für uns allein.
Und als wir gerade fröhlich unseren Sekt entkorkt hatten und anstoßen wollten,
sprach uns ein Wachmann an, ob wir denn nicht wahrgenommen hätten, dass dieser
Bereich für Rollstuhlfahrer/-innen reserviert sei. Wir schauten einigermaßen
verblüfft, denn weit und breit war niemand im Rollstuhl zu sehen, dem wir einen
Platz hätten weggenommen haben können. Und außerdem waren die fest verbauten
Stühle ja sicherlich auch eher für die Begleitpersonen der (nicht vorhandenen)
Rollstuhlfahrer/-innen gedacht, denn jemand, der im Rollstuhl sitzt, steht ja
nicht einfach fröhlich auf und setzt sich um in einen unverrückbar
installierten Stuhl eines Wartebereichs.
Wir gaben außerdem zu bedenken, dass, selbst wenn jetzt jemand im Rollstuhl mit
Begleitung herkäme, da ja noch weitere 13 Sitze frei wären, und dass wir
selbstverständlich unseren Platz räumen würden, wenn jetzt eine Gruppe von 15
Rollifahrern/-innen nebst je einer Begleitperson hier ausruhen wollen würde.
Wir waren uns einig: Inklusion hatte der Herr nicht im Sinne, denn warum sonst wäre
er so sehr darauf bedacht gewesen, dass in dieser Sitzgruppe bitte kein einziger
Nicht-Behinderter zu sitzen habe, sondern ausschließlich Rollstuhlfahrer!
Durften wir einander nicht begegnen?
Die Situation war in keinem Fall vergleichbar mit der Notwendigkeit, die Rollifahrer-Parkplätze vor
Supermärkten freizuhalten, denn die von uns genutzte Sitzgruppe unterschied sich baulich in
nichts von denen, an denen kein entsprechendes Schild angebracht war. In meinen
Augen war das Schild im Grunde völlig überflüssig, ja sogar ausgrenzend, denn
da – wie gesagt – alle Sitzgruppen identisch waren, war eine eigene Reservierung
für Rollstuhlfahrer/-innen gar nicht notwendig. Da wo Platz ist, da hält man
Rast. Ob als Fußgänger oder als Rollifahrer (m/w/d).
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