Ausgedient

Als Menschen, die an Hypertonie leiden, folgen meine Frau und ich der Empfehlung unserer Ärztin und messen täglich jeweils morgens und abends unseren Blutdruck. Das bedeutet: das Messgerät ist ständig im Einsatz.
Da braucht man dann eben hin und wieder ein paar neue Batterien. Gestern war es wieder so weit.
Als sich das ankündigte, passierte diesmal jedoch etwas ganz Merkwürdiges.
Die schwächelnden Batterien von gestern ließen nämlich keinen Zweifel daran aufkommen, wie sehr ihnen die Lust am Aufpumpen der Manschette vergangen war. Sie ächzten, pumpten schwer atmend und heulten mir entgegen „Wir können nicht mehr, wir wollen jetzt in Rente gehen! Bitte halte nach Nachwuchskräften Ausschau, die unseren Job übernehmen können!“ Sprachen’s und sackten in sich zusammen. Arbeitsverweigerung!
Nun, wir wollten nicht so sein, und so verabschiedeten wir die Altbatterien in den wohlverdienten Ruhestand. Meine Frau setzte dann ein neues Paar Batterien ins Gerät ein.
Hui, was war das eine Freude! Noch voll motiviert und mit großer Arbeits- und Einsatzfreude nahmen die Nachwuchskräfte ihren Dienst auf und pumpten fröhlich pfeifend und leichtgängig die Blutdruckmessmanschette auf, so schnell konnte man gar nicht gucken! Und weil die beiden so glücklich waren, jetzt endlich einer sinnvollen Arbeit nachgehen zu können, bedankten sie sich mit der Anzeige eines ganz ordentlichen, d. h. eines gesunden Blutdrucks.
Bitte fragen Sie nicht, was ich gestern in mein Frühstück getan hatte. Ich weiß selbst nicht, warum mir die alten und die neuen Batterien so allzu menschlich vorgekommen sind.
Aber ich denke, ich werde in den nächsten Tagen die Arbeit unseres Blutdruckmessgerätes mit einer ganz anderen, mit einer wertschätzenden Einstellung verfolgen. 

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