Aufgaben, die sich stellen

Dass Politiker in schlimmen Momenten vor die Mikrofone gezerrt und ihnen mitfühlende Worte der Bestürzung abverlangt werden, ist allgemein bekannt und für die betreffenden Personen nicht immer einfach zu handeln.
Natürlich erwarten alle von Politikern – ob Regional- oder Bundespolitiker – dass die immer die richtigen Worte auch ohne große Vorbereitung finden. Das sind hohe Erwartungen, die in Stresssituationen noch schwerer wiegen.
Und natürlich ziehe ich auch ins Kalkül, dass die Medien nicht immer korrekt den genauen Wortlaut zitieren, der tatsächlich vorgebracht wurde.
Aber gerade musste ich doch lachen, obwohl der Anlass nicht tragischer sein könnte.
Im benachbarten Landkreis ist dieser Tage eine Frau erstochen worden, und der Landrat dieses Landkreises zeigte sich natürlich sofort angemessen bestürzt. Nun wird er aber zitiert mit den Worten: „…Gewalt gegen Frauen darf niemals als Beziehungsstreit oder Privatsache abgetan werden. Sie ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe."
Aha! Gewalt gegen Frauen ist also eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe?! Na, endlich spricht’s mal einer aus! Was haben wir Frauen uns all die Jahre nur so angestellt?! Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wird natürlich zumindest von einigen auch als solche wahrgenommen und erfüllt! Da brauchen wir uns doch nicht zu wundern, dass in so vielen Familien die Fäuste fliegen! Schließlich kommen die Herrschaften ja nur den Erwartungen nach, die die Gesellschaft an sie hat!
Nun, ich hoffe doch sehr, dass der Herr Landrat in diesem Text falsch zitiert wurde! Denn so gemeint haben kann er das ja hoffentlich nicht! 

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