Wenn Präzision im Ausdruck über Schönheit geht
Wer Biertrinker ist, weiß ganz gewiss, dass es seit vielen
Jahren schon auch alkoholfreie Varianten gibt. Wobei hier ja immer zurecht
darauf hingewiesen wird, dass die meisten „alkoholfreien“ Biere durchaus einen
Restgehalt an Alkohol aufweisen – und auch aufweisen dürfen.
Ganz wenige sind wirklich völlig frei von Alkohol und dürfen dies dann auch so
auf ihren Etiketten behaupten.
Bei den Weinen hat man jetzt ja auch angefangen, entalkoholisierte Produkte zu
erzeugen. Ich schreibe bewusst „angefangen“, denn bisher habe ich noch keinen alkoholfreien
Wein gekostet, der mir wirklich geschmeckt hätte. Da ist noch viel Luft nach
oben, was vermutlich noch einiger Forschung, einigem an Herumprobieren und
Experimentieren bedarf. Beim Bier war das ja aber genauso, und irgendwann hatte
man den Bogen raus, was mich auch optimistisch stimmt, dass bald alkoholfreier
Wein auf dem Markt sein wird, den man wirklich genießen kann, und mit dem man
sich nicht in der Nähe von Blumenkübeln herumdrückt, damit man ihn da unauffällig hineinentsorgen
kann.
Bei den Sekten sieht das ein bisschen anders aus. Da gibt es durchaus bereits welche
ohne Alkohol, die mir wirklich recht gut schmecken. Die empfinde ich
tatsächlich nicht mal als „Notlösung“, wenn Sekt mit Alkohol keine Option ist,
weil man z. B. noch fahren muss oder Gäste hat, die keinen Alkohol zu sich
nehmen (dürfen/wollen).
Einen von den zweien, an die ich in diesem Zusammenhang denke, tranken meine
Frau und ich dieser Tage, als wir gemütlich im Garten saßen.
Zufällig schweifte mein Blick über das Etikett auf der Flasche, und was las ich
da allen Ernstes als Produktbezeichnung? „Schäumendes Getränk aus entalkoholisiertem
Wein“!
Soll das ein Witz sein? Klar, ich las dann weiter und entdeckte, dass in dem
Getränk auch noch Traubenmost verarbeitet ist, und dass zumindest das einen
eklatanten Unterschied zu „echtem“ Sekt darstellt. Aber können Sie sich
wirklich vorstellen, einem Gast ein Glas „schäumendes Getränk aus
entalkoholisiertem Wein“ anzubieten?
Ich hoffe, dass die Weinindustrie da bald mal noch einen Begriff mit etwas mehr Sexappeal
findet!
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