Frisierkunst made in America
Ich habe mich ja kürzlich mal über die Friseur:innen
ausgelassen, denen man in ihren Videos schon in den ersten Minuten ansieht, wie
sie die im Stuhl sitzende Kundin frisieren werden. Ob ein Kurzhaarschnitt das
Ergebnis sein wird, oder ob die langen Haare lang bleiben werden, ist dem
aufmerksamen Betrachter sofort klar. Und das sage ich völlig wertfrei.
Richtig doof finde ich allerdings diejenigen Friseure (und es sind in der Tat
immer Männer, die das tun!), die ihren meist jugendlichen oder zumindest
jung-erwachsenen Kunden (auch immer Jungs) vor Beratung und Schnitt die Haare
zu einer Deppenfrisur hinkämmen, mit der niemand je das Haus verlassen würde, nicht
einmal für den Weg zum Friseur, und ihnen eine unsägliche Nerd-Brille auf die
Nase setzen, die dem Kunden weder gehört noch zu Gesicht steht, nur um deutlich
zu machen, wie unansehnlich der jeweilige junge Mann war, bevor ein natürlich
genialer und meisterhafter Haarschnitt einen Phönix aus der Asche aus ihm
gemacht hat.
Das Haar wird hierfür i. d. R. mittelgescheitelt, nass platt an den Schädel und
tief ins Gesicht gekämmt, und die Brille ist immer eckig, viel zu groß und hässlich.
Dass dem Jüngling nicht noch ein paar künstliche Pickel ins Gesicht geschminkt
werden, ist grad alles!
Nach dem Haarschnitt ist natürlich wundersamerweise diese unsägliche Brille aus
dem Gesicht verschwunden (der Friseur hat offenbar also auch magische
Heilkräfte gegen Fehlsichtigkeit *hust*), und der Haarschnitt ist mehr als ein
Mal einfach nur der Nachschnitt eines rausgewachsenen Schnitts von vor 3
Monaten.
Die Krönung dieser albernen Possen folgt dann am Ende, wenn der „Künstler“
behauptet, die Jungs hätten jeweils hundertzwanzig Dollar für seine
Dienstleistung gelöhnt und hätten eine Anfahrt von mehreren Stunden auf sich
genommen, nur um von IHM verschönt zu werden.
Man zeige mir bitte den Mann, der in Deutschland bereit wäre, mehr als 30 Euro
für einen simplen Haarschnitt zu bezahlen! Lächerlich, diese Vorstellung!
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