Geschichten, die man nicht erfinden kann

Manche Geschichten kann man nicht erfinden, die schreibt das Leben, und man steht ihnen sprachlos vis à vis.
Folgendes trug sich zu: für eine Veranstaltung musste ich ein paar Vereinskolleginnen um Kuchenspenden bitten, und eine der Damen, die mir auch eine zusagten, bat allerdings darum, ich solle den Kuchen heute nachmittag bei ihr zu Hause abholen.
Kein Problem, sagte ich da, mach‘ ich gern.
Heute nachmittag läutete ich also bei den Leuten an der Tür. Nichts rührte sich. Hm, dachte ich da, vielleicht haben sie die Glocke nicht gehört, und läutete einfach nochmal. Wieder nichts.
Da ich das seltsam fand, da wir ja „verabredet“ waren, ging ich ums Haus herum, um zu schauen, ob vielleicht jemand im Garten war. Nein, da war niemand, aber das Auto des Ehepaares stand vor der Tür. Da keimte in mir doch nochmal ein Körnchen Hoffnung, dass vielleicht doch jemand zu Hause war, und deswegen, und nur deswegen, läutete ich ein drittes Mal.
Auf einmal sah ich durch die Haustür drinnen die Wohnungstür der Erdgeschoßwohnung aufgehen, und Fritz (Name geändert), der Herr des Hauses, öffnete mir endlich die Tür – mit diesem seltsamen Lächeln auf dem Gesicht, das er immer dann zeigt, wenn er weiß, dass man sein Tun gerade nicht gut finden kann.
Nach kurzem Zögern sagte er mir, seine Frau sei in der oberen Wohnung, er hole sie eben mal. Ich verstand zwar nicht, wieso er mir den Kuchen nicht einfach selbst übergab (denn er wusste ja offensichtlich, weswegen ich gekommen war), aber vielleicht gab es ja einen guten Grund, Karin (Name ebenfalls geändert) herbeizurufen. Nun, kurz drauf kam er wieder herunter, seine Frau komme gleich.
Da hab‘ ich ihn gefragt, ob denn die Klingel kaputt sei, ich habe drei Mal geläutet. Nein, sagt er da, aber die läute eben nicht in der oberen Wohnung, wo Karin sich aufhielt, sondern nur in der unteren. Ja, sag‘ ich da, aber du kamst doch jetzt grad aus der unteren Wohnung heraus… Da grinst der und meint, er habe gedacht, seine Karin sei ja da und mache mir bestimmt auf.
Ich frage Sie: hat man da noch Worte?

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