Wocheneinkauf

Da morgen Karfreitag ist, war ich heute einkaufen. Also, nicht weil Karfreitag vor der Tür steht, sondern weil ich normalerweise freitags einkaufe, das morgen aber ja nicht tun kann.
Nun, Sie ahnen es: ich war nicht die Einzige, die heute ihre Einkäufe erledigt hat. Es war natürlich ordentlich Betrieb in dem Laden, aber da ich genau wusste, was ich brauche, und einen Einkaufszettel parat hatte, war ich guter Dinge und tiefenentspannt. Denn immerhin hatte ich ja keine Eile; wie lange ich brauchen würde, war heute egal. Selbst mein Missgeschick, bei dem ich einer Dame versehentlich ihren Schlüsselbund aus der Hand rempelte, ließ mich sonderbar unberührt.
Was mir allerdings erst heute aufgefallen ist: alle laufen in diesem Supermarkt in eine Richtung! Die gemeinsame Gehrichtung ist quasi als ungeschriebenes Gesetz in diesem Laden derart etabliert, dass ich enorme Mühe hatte, zu „Obst und Gemüse“ zurückzugehen, als mir bei den Molkereiprodukten auffiel, dass ich vorne beim Gemüse was vergessen hatte. Ich erntete einige irritierte, ja sogar böse Blicke, weil ich mich erdreistete, den Einkäufern entgegenzugehen, anstatt mit dem Strom in die andere, „richtige“ Richtung zu schwimmen. Fast fühlte ich mich wie eine Engländerin, die vergessen hatte, dass man hier in Deutschland auf der rechten Straßenseite fährt.
Als ich dann endlich meine Lauchzwiebeln ergattert hatte, wischte ich mir erst mal den Schweiß von der ermatteten Stirn, bevor ich wieder aufbrach, einen Becher Sahne und drei Camemberts zu suchen.
Beim Gefriergut angekommen, machte ich ein weiteres Mal den Fehler, gegen den Hauptstrom links herum um die Kühlschränke zu gehen, was mir einen Rempler von hinten und eine Ermahnung von vorn einbrachte. Ich war kurz davor, nun doch die Nerven zu verlieren und in den Laden zu rufen: „Sportsfreunde, wir ändern die Laufrichtung!“ Früher, in der Eishalle, da hatten alle Schlittschuhläufer immer artig dieser Aufforderung Folge geleistet, aber wahrscheinlich hätte man mich heute einfach nur des Ladens verwiesen, weil mit diesem völlig absurden Wunsch alle überfordert gewesen wären.

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