Die Kunst modernen Marketings

Heute bin ich über den Web-Auftritt einer ehemaligen Kollegin gestolpert, die in der Firma, für die ich lange gearbeitet habe, fürs Marketing zuständig war. Und im Zuge eines Projektes, in dem wir eine App einführten, bekam ich zwangsläufig mit ihr zu tun, da so eine Neueinführung ja ordentlich vorangekündigt, angepriesen und erklärt werden muss.
Die Zusammenarbeit mit ihr in diesem Projekt war mehr als schwierig für mich. Wenn sie eine ihrer Aufgaben nicht bis zum Stichtag erledigt hatte, waren immer die anderen dran schuld. Sie könne ja keine Flyer entwerfen, wenn ihr der inhaltliche Input dafür noch fehle. Ihn eingefordert oder bei der Erstellung desselben geholfen hatte sie vorher aber nie. Und wenn sie welchen geliefert bekommen hatte, an dessen Gestaltung sie nicht beteiligt worden war, war es ihr auch nicht recht, denn die Sprache, die „wir“ dann verwendet hatten, war natürlich aus Marketingsicht ein „no go“. Nur konnte sie uns bis zum Schluss nicht erklären, wieso man das Wort „bequem“ nicht verwenden darf, wenn man z. B. einen Registrierungsprozess genau als solchen promoten wollte. Was gibt es Schöneres als einen „bequemen Registrierungsprozess“, frage ich Sie?!
Und die Bildqualität unserer Screen-Beispiele war natürlich auch nie ausreichend. Warum wir sie denn nicht hinzugezogen hätten? Und wenn wir es taten: was, bitte schön, solle sie denn bei einer solchen Sitzung, wo sie fachlich von der Materie doch gar nichts verstehe?!
Sie sehen, sie war seeeehr speziell! Und konnte „das“ und „dass“ nicht auseinanderhalten, setzte Kommas, wo keine hingehörten, und war insgesamt natürlich so ‚supi‘, dass sie auf Honorarbasis für uns arbeitete und nicht bei uns angestellt war.
Ich möchte nicht behaupten, dass z. B. ich nicht auch Versäumnisse vorzuweisen hatte damals in diesem Projekt. Als Projektleiterin war ich nicht gerade eine Offenbarung. Aber als ich Jahre, nachdem die Dame bei uns ausgeschieden war, endlich mal hörte, wie meine anderen Kollegen immer über sie gedacht hatten, fragte ich mich schon, warum man mich so allein gelassen hatte im Kampf mit ihr.
Ihre Nachfolger/-innen, von mir befragt, was denn nun an dem Wort „bequem“ nicht marketingtauglich sei, schauten mich jedenfalls an „wie die Kuh es nei‘ Scheierdor“, wie man in der Pfalz sagt. Sie wussten es auch nicht. Und verwendeten es gern. 

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