Schon wieder vorbei...

Fastnacht, Fassenacht, Fasent, Karneval, Fasching – nennen Sie es, wie Sie wollen – hinterläßt bei mir immer so einen sonderbar muffigen Geschmack auf der Zunge. Und das immer genau am Aschermittwoch.

Das kommt vom Gesamtverlauf dieser „5. Jahreszeit“. Die nimmt im Januar Anlauf (Profis wissen natürlich, daß es eigentlich schon viel früher beginnt, aber…), erste Sitzungen, erste Fußgruppen in den Straßen, die die Session eröffnen, erste Termine werden gesichtet, der Karneval wird langsam Gesprächsthema, man beginnt drüber nachzudenken, wann genau in diesem Jahr Rosenmontag sein wird, Plakate tauchen am Straßenrand auf usw. usf.. Irgendwann dann nähert man sich dem Höhepunkt der Session, drei, vier Tage lang humbatäterät und helaut es überall, und dann… zack! endet das wie eine Fahrt gegen die Mauer! Von jetzt auf gleich ist alles vorbei, niemand ruft mehr Helau, die Kostüme verschwinden, das Fernsehprogramm geht zurück zu Normal, wie wenn nichts gewesen wäre, und man fragt sich bang „Ist was mit Oma?“.
Vergleichen Sie das jetzt mal mit der Weihnachts- und Vorweihnachtszeit! Die nimmt auch irgendwann langsam Anlauf, kommt dann zu ihren drei Tagen, an denen alles vor Festivität nur so strotzt, aber im Gegensatz zur Karnevalszeit dümpelt die sehr langsam und sehr individuell auch wieder aus. Es gibt Menschen, bei denen steht der Christbaum bis Lichtmeß. Bei unserem Nachbarn hängt z. B. der Leuchtstern das ganze Jahr über am Balkon, nur daß irgendwann der Schalter nicht mehr betätigt wird. Irgendwann so Mitte Februar halt… Weihnachten endet, wenn es abends wieder länger hell ist, so könnte man meinen. Oder wenn es einem dann doch irgendwann zum Halse raushängt. Jeder entscheidet das für sich selbst.
Nur der Aschermittwoch, der ist ein unbarmherzig plötzlich auftauchender Frohsinnsfeind, der nicht nur alle von der Feier – jetzt aber sofort! – nach Hause schickt, sondern auch noch allen für einen ganzen Tag lang jeden Genuß verbietet. Das Ende der Faschingszeit fühlt sich für mich immer an wie ein Gewitter, dessen Herannahen schon früh am Morgenhimmel zu erkennen war, das sich dann aber hurtig entladen und ganz plötzlich wieder verzogen hat. War da grad was?, fragt man sich bedröppelt und ist sich nicht so sicher, ob man es nicht nur geträumt hat.
Jetzt noch „Helau“ zu rufen, das wäre, wie wenn ich meinen Nachbarn ohne Vorwarnung auf offener Straße einen Drecksack nennen würde. Unvorstellbar! Mit Gefängnis nicht unter zwei Jahren belegt. Bis zum nächsten Jahr. Also das mit dem „Helau“…

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